Blick auf den Gedenktag 2016

Der Gedenktag begann am Denkmal auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik. dscf2527Hanna Tilgner las aus den „Roten Büchern“ das Schicksal einer jungen Patientin aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt vor. Es berührt uns auch 70 Jahre nach der NS-Zeit sehr, wie ein junger Mensch qualvoll über eine lange Zeit zu Tode gebracht wurde.

Zu unserem diesjährigen Motto: „Was trieb die Täter an?“ lieferte der prominente Arzt, Psychiater und Soziologe Prof. Dr. Dr. Dörner einen Abriss der Geschichte der Psychiatrie von ihren Anfängen um 1800 bis zur Verstrickung in die Krankenmorde im „Dritten Reich“. Er hob hervor, dass angehende Ärzte bis 1850 kein Physikum, sondern ein Philosophikum absolvieren mussten. Dann setzte sich die Überzeugung durch, dass die Ärzte zu den Naturwissenschaftlern zählten. Gleichzeitig habe sich die Meinung durchgesetzt, dass sich der Wert des Menschen an der Leistung bemisst. Wer nichts zur Gesellschaft beitragen könne, sei auch weniger wert, so hätten besonders Ärzte und Psychiater zu denken begonnen. Schon im Ersten Weltkrieg habe man die Anstaltspatienten ausgehungert, so dass 70.000 daran gestorben seien. Unter den Nazis wurden mindestens dreimal so viele Patienten umgebracht, und Prof. Dörner betonte, wie bereitwillig sich die deutsche Psychiatrie dafür eingesetzt hat. Sein Vortrag endete mit der provokanten Frage, ob der systematische Krankenmord ein Nazi-Programm oder ein Psychiatrie-Programm war. Weiterlesen

„Wo fängt es an – wo hört es auf?“

Unter diesem Motto begehen wir am 1. September 2016 unseren Gedenktag.
Am 1. September 1939 erließ Adolf Hitler den sog. Gnadentoderlass und eröffnete damit die „Euthanasie“, das Morden an hilfsbedürftigen kranken Menschen.

Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner wird den Festvortrag halten. Schon 2001 hielt Prof. Dörner zur Einweihung des Mahnmals auf dem Gelände der heutigen Karl-Jaspers-Klinik diesen Vortrag.
Für den musikalischen Beitrag konnten drei Musiker des Ensembles Windspiel gewonnen werden.
Alles Weitere finden Sie im Programm des Gedenktages 2016.

Fremdenhass, rechtsradikale Entwicklungen geben uns Anlass, die Erinnerung an die Verbrechen im Nationalsozialismus wach zu halten. Dazu passend der Eintrag aus dem Gästebuch in der Gedenkstätte Alte Pathologie „Wo fängt es an – wo hört es auf?“.

Wir laden Sie zu unserer diesjährigen Gedenkfeier herzlich ein. Gerne dürfen Sie Einladung und Programm an Freunde und Interessierte weiter geben.

Pünktlich zum Gedenktag hat Dr. Ingo Harms sein Buch mit dem Titel Buchhaltung und Krankenmord, ISBN 978-3-8142-2344-5 zu dem Forschungsauftrag zum Verbleib der eingesparten Gelder der Hungermorde veröffentlicht. Dazu schreibt die hiesige Nordwest Zeitung (NWZ) und die Oldenburger Sonntagszeitung.
Sie können das Buch am Gedenktag erwerben.

Mitgliederversammlung und mehr

Unsere diesjährige Mitgliederversammlung findet am 11. März um 17.00 Uhr im „blauen Salon“ in der Karl-Jaspers-Klinik statt.
Außer den notwendigen Wahlen gibt es drei interessante Vorträge mit diesen Themen:

Hanna Tilgner: das Gertrudenheim und das Kloster Blankenburg während der NS-Zeit

Dieter Gers: Zwangssterilisation

Ingo Harms: Hungertod und Profit – Wie aus den Krankenmorden in Wehnen Kapital geschlagen wurde.

Unsere Mitgliederversammlungen sind öffentlich. Mitglieder und Gäste sind herzlich eingeladen.
Die Tagesordnung finden Sie hier.

Blankenburg – vor den Toren von Oldenburg

Schon seit Jahrhunderten ist dieser Ort ein Platz der Vergessenen und Ausgestoßenen aus Oldenburg und Umgebung.
Viele Oldenburger wissen es. Hier lebten psychisch erkrankte und alte verarmte Menschen unter furchtbaren Bedingungen.
Jedoch ist es vielen Bürgern nicht bewusst, dass auch hier, wie in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, Verbrechen und Morde an hilflosen, schutzbedürftigen Menschen verübt wurden.

Zusammen mit dem Förderverein internationales Fluchtmuseum laden wir Sie zu diesem Vortrag ein.

Kloster Blankenburg – Die Gräber der Krankenmord-Opfer
Referent Dr. Ingo Harms,
2. März 2016, 19.30 Uhr
PFL Peterstraße Oldenburg, Seminarraum 6

Der Eintritt ist frei, wir bitten jedoch um Spenden zur Unterhaltung der Gedenkstätte Alte Pathologie in Wehnen auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik.

Geben Sie den Termin gerne weiter. Wir bitten Sie, das Plakat in Ihren Bereichen/Betrieben zu veröffentlichen.

Wanderausstellung der DGPPN in der Karl-Jaspers-Klinik

Am 22. Februar wird die Wanderausstellung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) unter dem Thema

„erfasst, verfolgt, vernichtet – historische und anthropologische Herausforderung der Psychiatrie“

um 18.00 Uhr in der Karl-Jaspers-Klinik eröffnet.
Prof. Dr. Dr. Frank Schneider aus Aachen wird den Vortrag zur Eröffnung halten.

Prof. Dr. Dr. Schneider hielt schon 2011 auf unserem Gedenktag im September den Festvortrag.
Sie können hier (im PDF-Format) seine Rede anlässlich der Gedenkveranstaltung der „Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkurde“ (DGPPN) in Berlin am 26.11.2010 lesen.

Die Ausstellung findet hier an einem Tatort statt. Dr. Ingo Harms, wissenschaftlicher Beirat des Gedenkkreises wird das Grußwort halten und Mitglieder des Gedenkkreises werden vor Ort sein, und Fragen zur Geschichte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen beantworten.
Den Flyer des Gedenkkreises zur Ausstellung können Sie hier abrufen.

Die Ausstellung wird zwei Wochen zu besichtigen sein. Während dieser Zeit werden Führungen für Gruppen stattfinden, begleitet vom wissenschaftlichen Beirat des Gedenkreises. Die Anmeldung kann über info(at)gedenkkreis.de erfolgen.

In der hiesigen Nordwestzeitung (NWZ) vom 2. März ist zu dem Thema „Psychiatrie in der NS-Zeit“ dieser Artikel zu lesen.

Am letzten Tag der Wanderausstellung geben das Bläserquintett „Windspiel“ und Freunde das Frühjahrskonzert, ein gelungener Abschluss dieser so wichtigen Ausstellung.