Friedrichsfehner Jugendgruppe lädt ein.

Vor ein paar Wochen nahm die kirchliche Jugendgruppe aus Friedrichsfehn im Ammerland einem Seminar in der Gedenkstätte „Alte Pathologie“ teil. Tief beeindruckt von den Verbrechen an kranken, hilfsbedürftigen Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus verfassten sie ganz persönliche Texte, die sie am

9. November 2016
20.00 Uhr im Gemeindehaus in Friedrichsfehn

im Rahmen einer Veranstaltung vorstellen.
Dazu laden die Jugendlichen die Mitglieder und Freunde des Gedenkkreises herzlich ein.
Die Einladung finden Sie hier im PDF Format.

Die Nordwestzeitung (NWZ) schreibt dazu diesen Artikel.

Kirche und Krankenmord.

Die Oldenburgische Landeskirche als Zuschauerin bei der NS-„Euthanasie“.

In diesem Kurs der Volkshochschule Oldenburg gibt der Historiker Ingo Harms einen „Werkstattbericht“ über seine Untersuchungen zur damaligen Haltung von Pfarrern, Landeskirche und Diakonie zum NS-Krankenmord – mit Bezug auf heutige Reaktionen.
Wir informieren Sie über den Vortrag am

16. November 2016 von 18.00 – 20.45 Uhr in der VHS Oldenburg.

Spurensuche, von São Paulo nach Wehnen

Seltener Besuch in der Gedenkstätte „Alte Pathologie“ in Wehnen. Alberto G. hatte sich zusammen mit seiner Frau auf die Suche nach seinem verschollenen Großvater gemacht.
Albert G. wanderte als junger Mann nach Brasilien aus, heiratete und gründete eine Familie. Nicht mehr nachvollziehbar sind die Gründe seiner Rückkehr nach Deutschland. Zunächst verlor sich seine Spur. Aber seinem Enkel ließ das Verschwinden seines Großvaters keine Ruhe. Er fand heraus, dass er nach seiner Rückkehr in Hamburg ankam, dann nach Wilhelmshaven in die Nähe seiner Geburtsstadt Varel ging. Schwer erkrankt landete er schließlich 1943 in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. Dort erging es ihm wie den meisten Patienten. Es gab keine Therapie, sondern schwere körperliche Arbeit bei völlig unzureichender Ernährung. Krank und entkräftet starb er nach nur 8 Monaten. p1020016a
Dank der Forschung eines Medizinhistorikers und eines Psychiaters vom Gedenkkreis erfuhren Herr G. und seine Frau von dem Schicksal des Albert G.
Herr Alberto G. sah sich, begleitet vom wissenschaftlichen Beirat, die Ausstellung in der „Alten Pathologie“ an, verweilte vor dem Denkmal auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik und besuchte die „Euthanasie“-Erinnerungsstätte auf dem Ofener Friedhof. Hier nahm er Abschied von seinem Großvater.
Unser ganz besonderer Dank gilt Prof. Dieckert, der mit seinen portugiesischen Sprachkenntnissen die Gespräche mit unseren Gästen aus Brasilien erst möglich machte.

Sehen Sie hier einige Fotos vom Treffen mit Regina und Alberto G.

Dieses Ereignis griff auch die NWZ Ammerland auf und veröffentlichte dazu diesen Artikel.

Blick auf den Gedenktag 2016

Der Gedenktag begann am Denkmal auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik. dscf2527Hanna Tilgner las aus den „Roten Büchern“ das Schicksal einer jungen Patientin aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt vor. Es berührt uns auch 70 Jahre nach der NS-Zeit sehr, wie ein junger Mensch qualvoll über eine lange Zeit zu Tode gebracht wurde.

Zu unserem diesjährigen Motto: „Was trieb die Täter an?“ lieferte der prominente Arzt, Psychiater und Soziologe Prof. Dr. Dr. Dörner einen Abriss der Geschichte der Psychiatrie von ihren Anfängen um 1800 bis zur Verstrickung in die Krankenmorde im „Dritten Reich“. Er hob hervor, dass angehende Ärzte bis 1850 kein Physikum, sondern ein Philosophikum absolvieren mussten. Dann setzte sich die Überzeugung durch, dass die Ärzte zu den Naturwissenschaftlern zählten. Gleichzeitig habe sich die Meinung durchgesetzt, dass sich der Wert des Menschen an der Leistung bemisst. Wer nichts zur Gesellschaft beitragen könne, sei auch weniger wert, so hätten besonders Ärzte und Psychiater zu denken begonnen. Schon im Ersten Weltkrieg habe man die Anstaltspatienten ausgehungert, so dass 70.000 daran gestorben seien. Unter den Nazis wurden mindestens dreimal so viele Patienten umgebracht, und Prof. Dörner betonte, wie bereitwillig sich die deutsche Psychiatrie dafür eingesetzt hat. Sein Vortrag endete mit der provokanten Frage, ob der systematische Krankenmord ein Nazi-Programm oder ein Psychiatrie-Programm war. Weiterlesen

„Buchhaltung und Krankenmord Die Oldenburgische Anstaltsfürsorge 1932-1948“

Dr. Ingo Harms stellte sein Buch mit den neuen Forschungsergebnissen am 26. August den Oldenburger Medien vor.

Zu den hervorstechendsten Merkmalen der Nazi-Gewaltherrschaft gehörten Ausgrenzung und Vernichtung. Das ist vielfach beschrieben worden. Weniger gut erforscht ist, dass es den Machthabern entgegen ihren ideologischen Bekundungen dabei vorwiegend um Bereicherung ging.
Erstmals untersucht ein Autor detailliert, wie ein Krankenmord-Programm dazu diente, Profite zu erwirtschaften. Den Hungermorden in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen und anderen oldenburgischen Anstalten lag ein Bereicherungsplan zugrunde, der bereits 1933 per Landesgesetz beschlossen wurde.

Während die Patienten in den Anstalten verhungerten, wurde aus dem eingesparten Pflegegeld ein umfangreiches Grund- und Anlagevermögen gebildet. Der Landesfürsorgeverband, eine ministerielle Abrechnungsstelle, wurde zu einem betriebswirtschaftlichen Unternehmen umgebaut. Der Auftrag lautete, Gewinne zu erwirtschaften und diese zur Finanzierung der völkischen Kultur, der Energieversorgung und anderer Staatsausgaben einzusetzen. Die Liste der begünstigten Einrichtungen ist lang, und ganz oben steht das Museumsdorf Cloppenburg. Weiterlesen