Der historische Ort

pathologie

Das kleine, kreuzförmig angelegte Backsteinhaus auf dem Gelände der heutigen Karl-Jaspers-Klinik war 1890 als Leichenhalle der Heil-und Pflege-anstalt Wehnen erbaut worden. 1934 wurde in dem Gebäude ein Sezierraum eingerichtet. Die dort durchgeführten Sektionen dienten unter anderem der erbiologischen Forschung.

In der damaligen Medizin galten psychische Erkrankungen grundsätzlich als erblich. Die Patienten wurden zu “Minderwertigen” gestempelt und viele von Ihnen zwangssterilisiert. Am unteren Ende der psychiatrischen Werteskala standen die unheilbaren Pflegefälle, die als “Ballastexistenzen” eingestuft und getötet wurden.

Auch in der Heil- Und Pflegeanstalt zeigte dieses Denken seine Wirkung. Ab 1936 wurde die Verpflegung der Anstaltspatienten immer weiter reduziert. In der Folge starben bis 1947 mehr als 1500 Patienten an Unterernährung, Vernachlässigung und fehlender medizinischer Versorgung.Der Krankenmord war in der Anstalt zur alltäglichen Praxis geworden.

Die Alte Pathologie ist der historische Ort, der die Medizinverbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wie in einem Brennglas sichtbar macht. Denn hier wurden alle getöteten Patienten “durchgeschleust”, sei es zur Aufbahrung oder zur Sektion, bevor sie auf dem nahe gelegenen Anstaltsfriedhof vergraben wurden.

Denken • Gedenken

Angehörige der Opfer, die sich im Gedenkkreis Wehnen e.V. zusammengeschlossen haben, eröffneten im April 2004 in der ehemaligen Leichenhalle der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen die Gedenkstätte “Alte Pathologie”.

Die Gedenkstätte soll Raum für Dokumentation, Aufklärung und Recherche bieten. So kann das Gebäude für die Öffentlichkeit und die Betroffenen zu einem Ort des Dialogs werden.

Bezüge sollen hergestellt werden: Zum historischen Geschehen in der Region, zu den beteiligten Institutionen, zu den Betroffenen und ihren Familien

Die Ausstellung

ausstellung… wendet sich an die interessierte Öffentlichkeit. Es wird eine Präsentation angestrebt, die mit der Zeit wächst und sich aus sich selbst heraus entwickelt. Basis dafür sind folgende Einheiten:

  • “Rote Bücher”: Lebensgeschichten von Opfern und ihren Familien
  • NS-Topographie auf einer Karte des Oldenburger Landes
  • der ehemalige Sezierraum als Raum des Gedenkens
  • Dokumente zu den Vorgängen in der Anstalt Wehnen unter der NS-Herrschaft
  • Dokumente zur “Erbgesundheitsmedizin” im Oldenburger Land
  • Dokumente zum überregionalen Gesamtgeschehen der NS-”Euthanasie”
  • Präsenzbibliothek zum Thema “Medizin im Nationalsozialismus”

Bilder von der Ausstellung und vom Mahnmal finden Sie hier (falls Sie mit einer analogen oder ISDN-Verbindung surfen, kann es etwas dauern, bis die Fotos geladen werden).

Besuchen Sie uns:

Die Öffnungszeiten der Gedenkstätte (Anschrift im Impressum, unten):

  • Dienstag: 9.00 – 13.00 Uhr
  • Donnerstag: 13.00 – 16.00 Uhr
  • Sonntag: 13.00 – 16.00 Uhr

Nach vorheriger Absprache kann – insbesondere für Gruppen – ein anderer Zeitpunkt vereinbart werden.
Anschrift: Hermann-Ehlers-Straße 7, 26160 Bad Zwischenahn (Wehnen)

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