2017 – Rückblick und Ausblick

Neuer Mitarbeiter

Am Beginn des Jahres 2017 hatten wir großes Glück. Wir fanden nach einer zum Glück kurzen Interimszeit einen neuen Mitarbeiter für die Gedenkstätte „Alte Pathologie“, so dass die Öffnungszeiten am Mi., Do., und Sa. von 12.00 – 16.00 Uhr eingehalten werden können.

Besucherzahl in der Alten Pathologie nach wie vor konstant

Über das ganze Jahr 2017 verteilt waren 45 Gruppen aus Schulen, Pflegeeinrichtungen und der Universität bei uns in der Gedenkstätte zu Führungen und Seminaren zu Gast. Abrechnen muss man allerdings von den 52 Wochen etwa 13 Ferienwochen.
Damit ist die Zahl der Gruppenbesucher und auch der Einzelbesucher seit Jahren konstant geblieben. Auch die Zahl der Einzelbesucher ist erfreulich hoch. Das Interesse zeigt uns, wie wichtig unsere Erinnerungs- und Gedenkarbeit bezüglich der NS-Hunger-Euthanasie ist. Aus diesem Grund haben wir ein neues Faltblatt zur allgemeinen Einführung in die Arbeit der Gedenkstätte erstellt.

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Der Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus, jeweils am 27. Januar, war im Jahr 2017 den Opfern des NS-Euthanasie gewidmet.
Unser Verein beteiligte sich personell durch Elke und Ingo Harms an der Planung und Vorbereitung verschiedener Veranstaltungen der Stadt zum Thema Euthanasie. Ein Kurs des Herbart-Gymnasiums hatte sich mit Hilfe von Dr. Ingo Harms bei uns auf Spurensuche nach dem Schicksal von Opfern der NS-Hunger-Euthanasie in Wehnen begeben und stellte die Erarbeitungen in einer öffentlichen Veranstaltung im PFL vor.
Eine Veranstaltung in diesem Rahmen war auch die Vorführung des Films: „Ich werde nicht schweigen“ der aus Oldenburg stammenden Regisseurin und Drehbuchautorin Esther Gronenborn.
1948 kämpft die junge Mutter Margarethe in Oldenburg um ihre Kriegswitwenrente. Dafür benötigt sie Papiere über die Dienstzeit ihres Mannes im Gesundheitsamt. Doch die junge Frau stößt überall auf verschlossene Türen. Als sie randaliert, wird sie in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen – Das Nachkriegsdrama beruht auf wahren Tatsachen.
Bevor der Fernsehsender Arte diesen Film Anfang Sept. 2017 ausstrahlte, wurde er zweimal im Casablanca-Kino gezeigt, zunächst am 1. Feb. im Rahmen mehrerer Veranstaltungen des Kulturbüroseranstaltungen des Amtes für Kultur und Sport der Stadt Oldenburg unter dem Motto: LIVING HISTORY zum Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus und dann im Frühsommer 2017. Die beiden Vorstellungen wurden jeweils mit einer Informations- und Diskussionsrunde abgeschlossen. Die Teilnehmer dieser Runde waren u.a. die Drehbuchautorin und Regisseurin Esther Gronenborn, Dr. Ingo Harms vom Gedenkkreis Wehnen, Dr. Figge von der KJK, Frau Cordes vom Amt für Kultur und Sport der Stadt Oldenburg.

Das 25-jährige Jubiläum des Kulturzentrums PFL wurde am 7. Mai mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Anlässlich des Jubiläums ist eine Ausstellung konzipiert worden, die die wechselvolle Geschichte des Peter Friedrich Ludwigs Hospitals dokumentiert. Die dauerhafte Präsentation befindet sich im ersten Obergeschoss und wird um 11 Uhr erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Textpassage, die an die Zwangssterilisationen erinnern, ist hier in zwei Bildern wieder gegeben.

Gedenktag am 1. Sept. 2017

Link zum Artikel der NWZ vom 04.09.2017

Hanna Tilgner las zu Beginn am Mahnmal die Krankengeschichte über „Das kurze Leben des Ernst-August aus Friedrichsfehn“ vor. Nach der Niederlegung eines Gedenkkranzes am Mahnmal auf dem Gelände der KJK wurde die Veranstaltung im Festsaal der KJK fortgesetzt.
Schwerpunkt der diesjährigen Gedenkfeier war die Erzählung und Aufarbeitung ihres Besuchs in der Gedenkstätte Alte Pathologie einer Jugendgruppe der evangelischen Kirchengemeinde Friedrichsfehn.
Das Leitmotiv war ein Satz vom spanisch-amerikanischen Philosophen George Santayana ausgewählt worden und lautete: „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
Nach der Begrüßung durch Mitglieder des Vorstandes sprachen der Stellvertr. Landrat des Ammerlands, Torsten Wilters, Dr. Christian Figge, Ärztlicher Direktor der KJK und Tanja Bödeker, Pastorin in der KJK Grußworte zu den Versammelten.
Torsten Wilters sprach von der Bedeutung der Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse der Hungermorde in der Heil-und Pflegeanstalt Wehnen und wie wichtig es sei, dass es im Landkreis Ammerland mit der Gedenkstätte Alte Pathologie auf dem Gelände der heutigen Karl-Jaspers-Klinik einen Ort der Information, des Erinnerns und Gedenkens gebe.
Dr. Christian Figge verwies darauf, dass nicht nur die Ausstattung von Gebäuden ausschlaggebend sei für die Betreuung von kranken Menschen, sondern immer die Menschen. Sie seien verantwortlich für das Wohl und Wehe der Menschen und da gebe es auch in der Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen gute und leider auch bösartige Ansätze für den Umgang mit psychisch kranken Menschen im Laufe der Geschichte
Frau Tanja Bödeker zeigte anhand von Schaubildern auf, wie sehr man Menschen dadurch verletzten kann, indem man sie nicht als Individuen mit ihren Stärken und Schwächen versteht und anspricht, sondern kritiklos einer Gruppe von Menschen zuordnet und sie dann meistens im Plural (die Fußballer, die Kranken, die Ärzte, die Politiker) einordnet. So könne man Menschen keinesfalls gerecht werden und diene nicht der Kultur eines fairen Umgangs miteinander.
Im Hauptteil des Gedenktages gestalteten Mitglieder der evangelischen Jugendgruppe Friedrichsfehn, die unter dem Motto:

„Wat mööt wi hier smachten“. Jugendliche begegnen
den Spuren der nationalsozialistischen Verbrechen

eine Collage von ihrem Besuch in der Gedenkstätte Alte Pathologie in Wehnen erarbeitet hatten. Die Jugendlichen trugen ihre persönlichen Eindrücke und Gefühle vor, die sie beim Besuch der Gedenkstätte und bei der Einordnung ihrer Gedanken aufgeschrieben und textlich verarbeitet hatten. Diese Texte waren auf ihre Weise geprägt von einer eindrücklichen und gedanklichen Intensität. Da wunderte es niemanden im Saal, dass sie als maßgebliche Zusammenfassung ihrer Konsequenz aus den Euthanasie-Hungermorden zwei Abschnitte unseres Grundgesetzes vortrugen:
Artikel 1(1) „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Artikel 3(3) lautet: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Ihre musikalischen Beiträge sollten der Vertiefung ihrer Gedanken dienen.
Zusätzlich wurde die Feier musikalisch eindrucksvoll begleitet von zwei Musikerinnen, der jungen Klarinettistin Inga Meyer und Pianistin Dr. Gabriele Hoeltzenbein.

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