Gedenktag 2015: „Wer vergisst, hat keine Zukunft“

Frau Tilgner verliest am Mahnmal ein Patientenschicksal

Hanna Tilgner beim Verlesen eines Patientenschicksals

In diesem Jahr hatten wir eine sehr eindrucksvolle Feier. Am Denkmal auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik verlas Hanna Tilgner ein Patientenschicksal. Es ging um das Leben und Sterben eines kleinen Kindes während der NS-Zeit, hier in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. Die Geschichte löste große Betroffenheit aus.

Die Gedenkfeier wurde im Festsaal der Karl-Jaspers-Klinik fortgesetzt. Nach der Begrüßung der Gäste durch Günter Gräber und Elke Harms-Kranich, Vorsitzende des Gedenkkreises, wies Elke Harms-Kranich in ihrer Rede auf das ganz persönliche Schicksal der Patienten und ihrer Angehörigen hin. Sie endete mit einem Zitat von William Faulkner: „Das Vergangene ist nie tot – es ist nicht einmal vergangen“.

Jörg Bensberg, Landrat Ammerland und Aufsichtsratsvorsitzender der Karl-jaspers-Klinik, lobte und bedankte sich bei den Mitgliedern des Gedenkkreises für das Engagement, sah jedoch keine Möglichkeit bei den zzt. laufenden Bautätigkeiten der Klinik dem Wunsch einer Erweiterung der Gedenkstätte zu entsprechen.

Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, wies in seiner Rede auf die Notwendigkeit des Gedenkens in unserer Zeit hin. Besonders junge Menschen müssen wissen, dass NS-Verbrechen nicht nur in weit entfernten Konzentrationslagern stattfanden, sondern auch hier, vor den Toren Oldenburgs, verübt von Tätern mitten aus der Gesellschaft. Herr Dr. Wagner sagte dem Gedenkkreis jede Hilfe zu, besonders finanzielle Unterstützung, bei einer Erweiterung der Gedenkstätte, die er für notwendig und angemessen hält.

Dr. Sebastian Stierl, leitender Arzt der Psychiatrie Lüneburg, hielt den Festvortrag. Er berichtete von den vielen Gemeinsamkeiten der NS-Geschichte in Lüneburg und Oldenburg/Wehnen. Auch in der Entstehung der Gedenkkulturen ist vieles sehr ähnlich. In Lüneburg arbeitet die Psychiatrische Klinik eng mit den Betreibern der Gedenkstätte zusammen.
Herr Dr. Stierl schloss seinen Vortrag mit den Sätzen: „Der Tatort als Gedenkort – wir, die dort Tätigen müssen die kritische Frage aushalten, ob die heutige Psychiatrie Gewähr dafür bietet, vor Verletzungen der Menschenwürde ihrer Patienten, vor der Entwertung des menschlichen Lebens gefeit zu sein. Damit haben wir uns eine Aufgabe gestellt, auf die die Bürger dieses Landes spätestens mit der UN-Behindertenrechtskonvention einen Rechtsanspruch haben“.

Sehen Sie hier einige Fotos von dem Gedenktag 2015 in Wehnen:

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